Einige Daten zur Geschichte von Zeitlofs

Man übertreibt sicher nicht, wenn man sagt, daß Zeitlofs ungefähr eintausend Jahre alt ist. Zwar gibt es ganz in der Nähe schon Funde aus der Steinzeit (Geroda) sowie eine bronzezeitliche keltische Burg (Mettermich bei Mitgenfeld). Nachweise über eine ständige Besiedlung aus dieser Zeit gibt es aber nicht.
Vielleicht schon in der Zeit der fränkischen Landnahme im 6. und 7. Jahrhundert könnten Siedlungskerne im Sinntal oder auf der Höhe bei Detter oder Weissenbach entstanden sein. Spätestens in der Zeit des sogenannten hochmittelalterlichen Landesausbaus in staufischer Zeit gab es auf Zeitllofser Boden erste Siedlungen.

1167 Erste urkundliche Erwähnung von Zeitlofs als "Citolves", ein Dorf mit eigener Kirche, die aber zur Pfarrei Neuengronau gehöret. Wenn es aber 1167 schon eine Kirche gibt, dann ist das Dorf sicher einige Jahrzehnte älter. Der Name geht vielleicht auf die Siedlung eines "Zitolf" zurück.

1167 wird auch Weissenbach zuerst genannt als "Wisenbach". 1317 heißt es "Grossen Wysenbach". Der Name erklärt sich von selbst.

1317 wird Detter zum ersten Male erwähnt als "Grozzen Teterde". 1356 heißt es "Tetirde". Sicher ist Detter viel älter, worauf z. B. ein romanischer Kirchturm hinweist. Der Name könnte vielleicht auf die Siedlung eines Dieter oder Dietherr zurückzuführen sein. Es gibt auch Vermutungen, daß er von dem Frauenname Theodora kommt.

1317 wird Rupboden zum ersten Mal genannt. Es heißt "zu dem Roppoten". Seit 1375 ist ein Gut in Rupboden nachgewiesen. Der Name könnte auf den Eigennamen "Roppo" oder "Rupert" zurückzuführen sein.

1317 ist schließlich auch das Geburtsjahr von Rossbach, damals "Rossebach" genannt.1345 wird es wieder als "Einöde" beschrieben. Es dürfte wohl lange Zeit nur aus einem Viehhof, wohl einem Pferdehof, bestanden haben.
1361 gelangt Weissenbach von den Herren von Bibra an die Herren von Thüngen

Die Geschichte von Zeitlofs ist eng verbunden mit dem Haus der Freiherren von Thüngen, einem der ältesten und mächtigsten Rittergeschlechter Frankens. Die historische Grundlage der heutigen Großgemeinde Markt Zeitlofs bildet die sogenannte Thüngensche Zent (auch Cent). Zent kommt von dem lateinischen Wort Centum, das "einhundert" heißt. Eine Zentgrafschaft ist ein Bereich in dem ungefähr einhundert Bauernhöfe liegen oder ca. einhundert freie und wehrfähige Männer leben.
Die Entstehung von Zentgrafschaften beginnt zur Zeit Karls des Großen im 9. Jahrhundert. Die Zent darf nicht verwechselt werden mit dem "Zehnten", einer mittelalterlichen Naturalienabgabe eines Bauern an seinen Grundherren. Die Entstehung der Thüngenschen Zent verdankt das Haus Thüngen einem Erbfall.
1345 Steckelberger Erbe: Die Witwe des Herrmann von Steckelberg vermacht im Jahre 1345 ihren Besitz ihren drei Töchtern sowie ihrer Enkelin.
Alle vier waren mit mächtigen Rittern der Gegend verheiratet. Jutta von Steckelburgs Ehemann war Lutz III. von Thüngen. Er war jetzt mit drei anderen Rittern Herr über das Gebiet rund um Zeitlofs und er macht Zeitlofs 1356 zum Sitz des Centgerichtes für die sogenannte "Innere Thüngensche Zent".

Bis 1426/27 scheiden zwei weitere Geschlechter aus dem Erbe aus und die Thüngen und die Hutten einigen sich auf eine Teilung des Erbes. Die Thüngen werden die alleinigen Herren von Zeitlofs, Rupboden, Detter, Weissenbach und Rossbach.

1439 wird die Thüngensche Zent noch etwas vergrößert, als Karl v. Thüngen den Ort Eckarts vom Kloster Thulba erwirbt und seinem Gebiet einverleibt. Eckarts wird in der Kaufurkunde als "Eckrichs" bezeichnet. Jetzt ist die Entstehung der Thüngenschen Zent abgeschlossen.

Von 1427 bis 1803 bleiben die Herren von Thüngen unumschränkte Herren der Thüngenschen Zent. Sie besitzen das Land, erhalten den "Zehnten" von allen Einkünften, haben die hohe und die niedere Gerichtsbarkeit, sind also Richter über alle Straftaten, haben alle Jagdrechte und die schwere Aufgabe ihr "Land" durch die Wirren der Zeit zu steuern, es von Krieg zu verschonen und die Wirtschaft zu fördern, da sie schließlich von ihrem Land lebten.

1453, also noch vor der Reformation, wird unter Karl v. Thüngen Zeitlofs zu einer eigenen Pfarrei erhoben, zu der die Orte Rupboden und Rossbach gehören. Weissenbach und Detter dürften weiterhin zur Pfarrei Oberleichtersbach gehört haben.

1525 im Bauernkrieg kommt es in der Thüngenschen Zent nicht zu einer Erhebung der Bauern wie in weiten Teilen Frankens.
1553 wird in der Pfarrei Zeitlofs die evangelische Lehre eingeführt.
1564 wird die Reformation in allen Besitzungen der Herren von Thüngen abgeschlossen durch die Synode von Gräfendorf.

Von 1453 bis 1969 haben die Herren von Thüngen in allen Kirchen der heutigen Großgemeinde Zeitlofs das Patronatsrecht, d.h. das Recht den Pfarrer auszuwählen und zu ernennen.
Vermutlich schon seit dem Mittelalter gibt es in Zeitlofs eine jüdische Gemeinde, die bis 1937 bestand und eine eigene Synagoge in der Judengasse hatte.

Aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg gibt es in Zeitlofs nur noch zwei Gebäude, nämlich den Ratboden, d.h. der herrschaftlich-gemeindliche Zehnt- und Vorratsspeicher. Er stammt aus dem Jahre 1582. Von 1607 stammt das Gasthaus fränkischer Hof in der Ortsmitte von Zeitlofs.

1422 - 1803 Die Thüngensche Zent war ein "reichsfreies" Gebiet, d. h. ähnlich wie in den Reichsstädten Nürnberg und Rothenburg gab es zwischern den Herren von Thüngen und dem Kaiser keine andere Macht mehr. Allerdings könnten sich die Reichsstädter ihren eigenen Rat wählen und hatten mehr Freiheiten und mehr Reichtum als die Bauern.

Die Grenze, die die Herren von Hutten und die Herren von Thüngen im Jahre 1427 zwischen ihren Grenzen zogen, blieb viele Jahrhunderte lang unverändert und ist noch heute die Landesgrenze zwischen Hessen und Bayern.
Zeitweise war sie auch Landesgrenze zwischen dem Königreich Preußen und dem Königreich Bayern.

1596 erließ Daniel v. Thüngen eine Gerichtsordnung für das Dorf Detter. Diese galt bald für die ganze Zent und blieb bis 1803 in Kraft, nachdem sie 1747 nochmals erneuert worden war.

1618 - 1648 Der Dreißigjährige Krieg brachte auch für Zeitlofs und die Zent viel Not und Elend. Es waren weniger die Kriegshandlungen selber, als vielmehr die Einquartierungen, zusätzliche Steuern, Plünderungen und Mord- und Schandtaten umherziehender Soldatenhaufen, die den Einwohnern zu schaffen machten. Hinzu kamen Missernten, Hunger und Krankheiten. Detter wird 1636 von den Schweden niedergebrannt.

Die Zahl der Bevölkerung soll rapide gefallen sein und nach dem Krieg soll es in Zeitlofs nur noch vier, in Rupboden und Detter je zwei und in Weissenbach nur noch eine Familie gegeben haben.
Scheinbar hat sich die Bevölkerungszahl aber wieder recht schnell erholt.

18. Jahrhundert: Das Jahrhundert nach dem Dreißigjährigen Krieg wird zur großen Zeit der Herren von Thüngen. Sichtbares Zeichen sind die vielen Schloss- und Kirchenbauten jener Zeit. In Zeitlofs läßt Philip Christoph Dietrich von Thüngen eine neue Kirche erbauen, die 1737 eingeweiht wird. 1782 erbaut Philip Volbert von Thüngen das Schloss in Zeitlofs im barocken Stil neu auf.
In Weissenbach erbaut Friedrich Wilhelm von Thüngen ein Barockschloss, das 1784 fertiggestellt wird. Eine Kirche war schon ca. 1680 aus dem alten Zentspeicher entstanden.
1745 war Weissenbach zu einer Pfarrei erhoben worden, zu der auch Detter gehört.1746 wird ein neues Pfarrhaus gebaut.
In Rossbach erbaut Adam Siegmund von Thüngen im Jahre 1740 ein barockes Schloss.

Seit 1615 war Rossbach Sitz eines der Herren von Thüngen, als Phillip Heinrich von Thüngen dorthin zog und ein erstes Schloss gebaut hatte.
1729 wird auch die erste Kapelle in Rossbach erbaut.
In Eckarts entsteht 1756 die protestantische Kirche.
Alle diese Bauten sind noch heute erhalten und sehenswert.

Nach den etwas ruhigeren Zeiten des 18. Jahrhunderts kam Zeitlofs zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörig in den Strudel der Napoleonischen Wirren. Kaiser Napoleon hatte fast ganz Europa erobert und gestaltete es nach Lust und Laune um. So verlor das Königreich Bayern seine Gebiete in der Rheinpfalz und sollte sich anderswo entschädigen. So holte sich Bayern die geistlichen Fürstentümer wie Bamberg oder Würzburg und schielte natürlich auch auf die Gebiete der reichsfreien Ritterschaft in Franken. Die Thüngensche Zent war in großer Gefahr und wurde tatsächlich 1803 auch von bayerischen Truppen besetzt. Gleichzeitig schielten aber auch die hessischen Herzöge nach der Zent. Diese wechselt jetzt mehrfach den Besitzer.
Sie kommt zunächst zum Großherzogtum Frankfurt und fällt 1808 an das Großherzogtum Würzburg. Dieses wiederum wird 1814 bayerisch und somit auch Zeitlofs.
Obwohl die Thüngensche Zent jetzt bayerisches Landgebiet war behielten die Herren von Thüngen trotzdem die Gerichtsbarkeit in Form eines Patrimonialgerichts mit Sitz in Zeitlofs. Diese Gericht hatte bis 1820 die hohe und bis 1849 noch die niedere Gerichtsbarkeit inne. Es war zuständig für über 500 Familien mit mehr als 2500 Personen. Erst dann wurde Zeitlofs dem Landgericht Brückenau zugeschlagen. Seit 1860 ist Zeitlofs dann Sitz des Rentamtes, d.h. der wirtschaftlichen Verwaltungsbehörde für das Zentgebiet.
Die Jahre um 1830 sahen eine starke Auswanderungsbewegung, vor allem nach USA. So verließen allein zwischen 1831 und 1837 über einhundert Personen ihr Heimatdorf Weissenbach. Grund hierfür dürfte vor allem die wirtschaftliche Situation der Zentbewohner gewesen sein. Schon von alters her lebte die Bevölkerung von der Landwirtschaft, die aber aufgrund der schlechten Böden immer sehr karge Einträge brachte, und von der Forstwirtschaft. Arbeit boten für wenige auch die Mühlen, von denen es einige gab, wie die Glasmühle in Weissenbach, Schlossmühle und Schlagmühle in Zeitlofs, Gutsmühle in Rupboden, Scheuermühle in Detter, Papiermühle in Eckarts und einige ältere Mühlen, die es heute nicht mehr gibt. An Handwerksbetrieben gab es einige Schmieden, eine Ziegelei und eine Aschenbrennerei in Weissenbach, Köhlereien und seit 1826 eine herrschaftliche Brauerei in Weissenbach, die 1890 nach Rupboden verlegt wurde.

Im Jahre 1736 sollen die ersten Kartoffeln Frankens in Weissenbach angebaut worden sein. Interessant ist auch, daß in einer Karte von 1682 hinter dem Schloß in Zeitlofs ein Weinberg (!) von zwei Morgen Größe eingezeichnet ist.

In der Bayerischen Zeit seit 1814 geht es in der Zent langsam aufwärts. So gab es seit 1843 in Zeitlofs eine Apotheke. Ärzte gab es schon früher. Ab 1860 gab es eine Poststelle. 1882 wird eine Darlehenskasse eingerichtet.
Schon 1880 war die erste Raiffeisenkasse des Altlandkreises in Weissenbach entstanden.

Nach dem Krieg von 1870/71 gegen Frankreich und der Reichsgründung entstehen viele Vereine, wie z.B. ein Männergesangsverein von 1882, ein Kriegerverein und die erste Feuerwehr der heutigen Großgemeinde in Zeitlofs im Jahre 1872.

1891 kommt der Bau der Eisenbahnlinie Jossa-Brückenau.
1920 brennt das erste elektrische Licht in Zeitlofs und Rupboden.

1914 - 1918 Der erste Weltkrieg fordert wie überall seine Opfer und bringt den Leuten Not und Hunger. Kriegsgefangene sind z.B. in Weissenbach im Wirtshaus und in Zeitlofs im Keller des Ratsbodens untergebracht.

1937 beginnt der Bau der Reichsautobahn Fulda - Würzburg, die von Rossbach über Weissenbacher Gebiet nach Rupboden geht.
Noch heute sind Erdwälle und Brückenbauten zu sehen. Die Autobahn wurde aber nie fertiggebaut, das Projekt fiel dem beginnenden Krieg zum Opfer.

1938 wurden durch den Bau des Truppenübungsplatzes Wildflecken viele Bewohner aus dem Gebiet des Übungsplatzes abgesiedelt und in Weissenbach und Rossbach wieder angesiedelt. Hierdurch und durch die Flüchtlinge und Vertriebenen, die sich nach dem 2. Weltkrieg im Bereich der Großgemeinde niederließen, erhielt die ursprünglich fast rein protestantische Bevölkerung einen größeren katholischen Anteil. Von den Siedlern wurde in Weissenbach eine katholische Kapelle gebaut.

1939 - 1945 Im Zweiten Weltkrieg bleibt Zeitlofs von größeren Kriegshandlungen verschont. Anfang April 1945 wird der Bereich der heutigen Großgemeinde von den Amerikanern besetzt. Der Krieg ist beendet.

1950/51 wird in Zeitlofs ein Blindenheim gebaut, das hauptsächlich von Blinden, die aus dem Sudetental vertrieben worden waren (Blindenheim Aussig), bezogen wird. Von 1945 bis 1950 waren sie im Zeitlofser Schloß untergekommen.

1978 werden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Markt Zeitlofs, Markt Detter, Weissenbach, Rossbach, Rupboden und Eckarts im Rahmen der bayerischen Gebietsreform zusammengefasst und die heutige Großgemeinde Zeitlofs entsteht.